Hohe Preise, fehlende Reichweite und lange Ladezeiten sind die größten Verkaufsbremsen bei Elektroautos. Und die vielen unterschiedlichen Bezahlmethoden, Roaming-Optionen und Preisgefälle sorgen für große Verwirrung. Werden die Probleme zu lösen sein?
Die erwähnten Probleme sorgen dafür, dass die Verkaufszahlen für E-Autos vorgegebene Ziele bisher deutlich verfehlt haben. Es hakt nicht nur bei der Anschaffung, sondern direkt an der Ladesäule. Das Aufladen kostet nicht nur Zeit, es ist zudem auch noch ziemlich kompliziert.
Tarifsystem für Verbraucher unverständlich
Der erschwerte flächendeckende Zugang zu Ladensäulen ist einer von mehreren Gründen, der auch aus Sicht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) für die „enttäuschenden Verkaufszahlen“ verantwortlich ist. Doch das ist noch nicht alles. An öffentlichen Ladesäulen sähen sich die Verbraucher mit einer Vielzahl von Zahlungsmethoden und einem unverständlichen Tarifsystem konfrontiert. Doch langsam lichtet sich das Dickicht.
Seit 2017 in Betrieb genommene öffentliche Ladesäulen müssen gemäß Ladesäulenverordnung ohne Registrierung genutzt werden können. Allerdings trifft das auf die vielen tausend zuvor installierten Ladensäulen nicht zu. Und seit April 2019 muss an den Säulen ein Preis pro Kilowattstunde (kWh) ausgewiesen werden, allerdings sei auch dies noch nicht flächendeckend umgesetzt, so die Kritik der Stiftung Warentest in der Zeitschrift „Finanztest“.
Teilweise Zustellung von Ladenkarten oder Token
Marktforscher von EuPD Research haben im Frühjahr 2019 123 Autostromtarife untersucht; mit dem Ergebnis, dass Verbraucher hier schnell den Überblick verlieren können. Die Abrechnung kann per Ladezeit oder auch per Kilowattstunde (kWh) erfolgen. Außerdem gibt es Modell mit Grundgebühr oder Flatrates. Die Abrechnung kann per Lastschrift oder Kreditkarte, per Paydirekt, Sofortüberweisung oder Paypal erfolgen. Oftmals ist ein spontanes Laden nicht möglich, da hierfür ein Token oder eine Ladekarten benötigt werden, die erst nach Registrierung per Post geschickt werden.
Vorteil E-Auto: Tankstelle zu Hause
Wer möchte, kann sich seine Tankstelle in der eigenen Garage einrichten. Zahlreiche Hersteller bieten ihren Käufern gleich eine sogenannte Wallbox an, über die das E-Auto zu Hause aufgeladen werden kann. Diese Investition kann zwischen 500 und mehreren Tausend Euro kosten. Doch nach Schätzungen wird jede dritte Aufladung an einer öffentlichen Säule durchgeführt. Außerdem ist laut EuPD Research der kWh-Preis in der Regel auch um einiges höher, als der des normalen Haushaltsstroms (= 30 Cent je kWh).
Welcher Anbieter ist der richtige?
Der passende Anbieter richtet sich nach dem Radius und den gefahrenen Strecken. Wer in ganz Deutschland unterwegs ist, viel und auch längere Strecken fährt, wird mit Flatrate-Angeboten sicherlich besser fahren. Hierfür gibt es bereits Angebote für 25 Euro im Monat. Wer eher auf der Kurzstrecke unterwegs ist und sich nur in einem kleinen Radius bewegt, ist mit den lokalen Tarifen örtlicher Stromanbieter sicherlich besser bedient.
Roaming auch fürs E-Tanken
Das Roaming beim E-Tanken steht wie auch beim Telefonieren mit dem Smartphone für eine anbieterübergreifende Nutzung der Infrastruktur. So kann auf möglichst viele Ladepunkte zurückgegriffen werden. Laut ADAC ermöglichten diese Angebote in der Regel Laden in der gesamten Bundesrepublik.
Für den Zugang zu diesem Verbund ist der Besitz einer Ladekarte notwendig, die meist auch im Ausland eingesetzt werden kann. Die europaweit größten Anbieter mit jeweils über 100.000 Ladepunkten sind Plugsurfing und NewMotion. Allerdings ist auch hier die Preisstruktur genauso unübersichtlich wie die Anzahl der Partner. Ladenetz ist ein Verbund von Stadtwerken.
Der ADAC bietet in Kooperation mit dem Energieversorger EnBW ebenfalls einen Roaming-Tarif an. Es werden fürs Normalladen 28 Cent/kWh und fürs Schnellladen 39 Cent/kWh berechnet. Via App oder mit einer Ladekarte erhalten die Kunden Zugang zur Säule - eine ADAC-Mitgliedschaft ist jedoch Voraussetzung. Die meisten der insgesamt 28.000 öffentlichen Ladestationen stehen in Deutschland, der Schweiz und in Österreich.
Am Roaming-Geschäft ist auch die Telekom beteiligt, die den E-Autofahrern Zugriff auf 20.000 Ladepunkte in Europa verspricht. Partner sind unter anderem Aral, Allego, ChargeCloud, Ionity, Innogy und Bosch. Hier zahlen Kunden fürs Schnellladen via Gleichstrom (DC) 39 Cent/kWh, fürs AC-Laden 29 Cent. Es können aber auch 89 Cent fällig werden.
Auch hinsichtlich kürzerer Ladezeiten werden an immer mehr Ladestationen Fortschritte erzielt. Insbesondere an den Autobahnraststätten wurden schon zahlreiche Schnellladesäulen errichtet. Der oben bereits erwähnte Verbund Ionity beschleunigt den Ausbau seines Netzes an Ladepunkten der neuesten Generation, die eine Ladeleistung von bis zu 350 kW generieren. Abhängig vom Akku benötigen Autofahrer an einer High Power Charging-Ladesäule (HPC) bei einer Aufladung auf 80 Prozent nur noch 15 Minuten. Das reicht, um einen Kaffee zu trinken und danach weiterzufahren.
Quelle: www.thueringer-allgemeine.de